Die durch Cicero kanonisch gewordene Dreiteilung von Wirkungsformen des Redners hat eine klar nachzuzeichnende Vorgeschichte bei Platon und Aristoteles, die jedoch nicht alle Wirkungsmodi gleichermaßen gutheißen. Vom Blickwinkel einer philosophischen Rhetorik hat der Sachbeweis eine besondere Valenz, während die Affekterregung problematisch erscheint.
Rhetoriktheoretisch sind andere Faktoren ausschlaggebend. Denn wenn auch die Persuasion ein Grundanliegen der Rhetorik ist, so muss dennoch differenziert werden, mit welchen Gegenstandsbereichen es der Redner zu tun hat. Grundsätzlich ist denkbar, dass der bereits seit frühester Zeit empfohlene Einsatz von affektiven Überzeugungsmitteln nicht immer zum erstrebten Ziel führen kann. Ebenso können aber auch rein sachliche Argumente angesichts eines Publikums, das sachlichen Argumenten nicht aufgeschlossen ist, sei es grundsätzlich oder in einer bestimmten Situation, verfehlt erscheinen. Obwohl man sagen kann, dass eine ausgebildete Theorie solcher Redeabsichten uns erst in der stiltheoretischen Schrift Orator des Cicero greifbar ist, kann man doch schon bei Platons Kritik der Rhetorik und dem Entwurf seiner eigenen Rhetorik in der Schrift Phaidros erkennen, dass Platon Unterschiede in Textstruktur und Seelenstruktur anerkennt und als Voraussetzung gelungener Persuasion postuliert.
Von Aristoteles ist in der Lehre von den Beweismitteln (πίστεις/pisteis) ein wichtiges Theoriemoment geschaffen worden, dass die Wirkungsmodi grundsätzlich differenziert, aber nicht unbedingt hierarchisiert.
Thomas Schirren, Redeabsicht-HSK Schirren, in: U. Fix u.a., Rhetorik und Stilistik. Ein internationales Handbuch historischer und systematischer Forschung –
(Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 31.1), Berlin / New York, 2008, 598-602.
