von Tomma Galonska
Einleitung: Was heißt hier Inszenierung?
Der Kurs begann mit einer Diskussion über den Inszenierungsbegriff, wir sammelten Assoziationen dazu: Theater kam vielen spontan in den Sinn. Andere erwähnten Charisma und Präsenz, verbunden mit der Frage, wie erlernbar das sei. Für einige war Inszenierung negativ konnotiert im Sinne der Manipulation und des Kalküls. Kleidung, Setting und gute Folien wurden in die Überlegungen einbezogen. „Etwas Durchgeplantes, bei dem nichts dem Zufall überlassen bleibt“, sagte eine Teilnehmerin und berief sich auf ein Zitat von Ernst Wilhelm Heine: „Eine gute Inszenierung ist niemals das Produkt des Zufalls.“ Einige Wochen später bei Kursende war im schriftlichen Beitrag derselben Teilnehmerin zu lesen:
„Jetzt verstehe ich, dass eine Inszenierung der Prozess der Gestaltung eines Themas ist. […] Ich verstand, dass eine gute Rede ein durchdachtes und spezifisches Konzept braucht, aber ich muss sagen, dass ich bei meiner Abschlussrede viel improvisiert und einiges dem Zufall überlassen habe. Das lag besonders daran, dass ich durch das bewusste Handeln mich selbst das erste Mal denken hören konnte. Ich habe Bewegungen spontan verändern können, weil ich den Platz und die Ruhe hatte, die Dinge sich natürlich entwickeln zu lassen. Ich habe vor allem gelernt, dass der bewusste Aspekt der Inszenierung mir die große Freiheit gegeben hat den Zufall zuzulassen.“ (Teilnehmerin 1)1
Andere TeilnehmerInnen hatten „die Einbeziehung der Gefühls- und Erfahrungsebene als gänzlich neue Aspekte der Rede entdeckt.“ (Teilnehmer 2) Ein situationsbezogener Einsatz von Stimme und Körper wurde in den Abschlussberichten ebenso reflektiert wie neue Erfahrungen mit Positionswechseln, Pausen, Setting und Medien.
Damit sind die zentralen Themen dieser Lehrveranstaltung umrissen: (1) Die durchdachte Struktur eines Wortbeitrags als Rahmenbedingung für ein freies und lebendiges Agieren; (2) Wissenstransfer und Erfahrungsebene; (3) körpersprachliche Performanz; (4) Bespielung des Raumes und (5) der kreative Einsatz von Medien.
Arbeitsklima: Labor
Es ging um Praxis.2 Hier sollten inszenatorische Mittel erprobt und ihre Wirkungen überprüft werden. Nach einer Reihe konkreter Experimente waren die Studierenden aufgefordert zu entscheiden, welche der untersuchten Mittel sie in ihre eigenen kleinen Beiträge integrieren wollten. Um diesem Vorhaben einen motivierenden Horizont zu geben, vereinbarten wir Vortragsformate für zukünftige Konferenzen zu entwerfen, bei denen der lebendige Austausch als Maßstab gilt.
Der hier vorgelegte kleine Laborbericht lädt LeserInnen dazu ein, das Geschilderte als Arbeitsmaterial zu verwenden: Stöbern Sie, gehen Sie kreativ vor, gerne auch portionsweise, nehmen Sie sich Zeit für die in Teil eins beschriebenen Experimente, spielen Sie die Szenarien in Ihrer Vorstellung durch, das wird eigene Impulse wecken. Teil zwei enthält Anregungen zur Performanz und in Teil drei finden Sie eine Auswahl der Ideen, die die Studierenden während des Kurses entwickelt haben.
Erster Teil: Inszenatorische Mittel
Für erste Anwendungsbeispiele nutzten wir einen gemeinsamen Ausgangstext: Ein Kapitel aus dem kulturpolitischen Plädoyer Neue radikale Aufklärung von Marina Garcés.3 Es handelt sich um einen anspruchsvollen theoretischen Text mit vielen abstrakten Begriffen und damit war die Herausforderung klar: Das Publikum mitnehmen, die Theorie anschaulich werden lassen.
Experiment 1: Der abstrakte Titel
Wir beschäftigen uns nur mit einem Titel als Einstieg in einen möglichen Vortrag.
Vorgeschlagener Vortragstitel: „Neutralisierung der Kritik“.4
Ziel: Die ZuhörerInnen auf das Thema einstimmen.
Inszenierungskonzept
- Der Titel wird groß auf der Projektionsfläche eingeblendet:
NEUTRALISIERUNG DER KRITIK - Das bleibt einen Moment stehen. Stille.
- Der Redner beginnt den Titel mit Fragen, die er ins Publikum wirft, ‚einzukreisen‘: „Wozu überhaupt Kritik? Welche Qualitäten sollte Kritik haben? Wie gut ertragen Sie Kritik? Wie würden Sie Kritik definieren? Was ist der Unterschied zwischen 100 Likes und Kritik? Was ist der Unterschied zwischen einer neutralen KritikerIn und einer Neutralisierung der Kritik? Was ist die Voraussetzung für Kritik?“
Wir analysieren den Vorgang
- Der Redner arbeitet mit einem Spannungsfeld zwischen zwei medialen Ebenen: Schriftbild und Frageaktion. Beachten Sie: Er sagt nicht, was auf der Folie steht, er verhält sich zu dem Inhalt des Titels, indem er ihn ‚befragt‘. Er schafft somit einen Denkraum für die aktive Verarbeitung von Information.
- Indem der Redner die in den Raum geworfenen Fragen unbeantwortet lässt, erhöht er die Spannung. Das ist ein belebender Auftakt, der bereits energetisch Aufmerksamkeit weckt.
- Es wird gleich zu Beginn signalisiert, dass hier jmd. ‚Regie führt‘, d. h. weiß was er tut und das Publikum im Blick hat.
- Außerdem arbeitet er mit dem Sprechduktus, indem er Fragen in den Raum wirft, dazwischen kurze Pausen lässt, mehrmals das Tempo wechselt und dabei Personen im Publikum immer wieder direkt anschaut.
Experiment 2: Vom Text zur Inszenierungsidee
Wir suchten nun nach Ideen zu den Begriffen Aufmerksamkeitsökonomie und Interpassivität, die ebenfalls in unserem Übungstext thematisiert wurden. Wie kommen wir vom Text bzw. vom Begriff zur Inszenierungsidee? Antwort: Indem wir in Beziehung zum Inhalt treten. Hilfreich sind Fragen wie: Warum ist mir das wichtig? Inwieweit betrifft mich das? Mit welchen Lebens- und Erfahrungsbereichen hat das zu tun? Welche Analogien gibt es? Wie würde ich das bildlich beschreiben?
Assoziationskette der Gruppe zum Stichwort Interpassivität: Reizüberflutung → Kurzlebigkeit von Info → Passivität nur im Außen, innen totale Aktivität → Überlastung → Fotos: man speichert alles ab, nur im Handy → Fotos nicht mehr wertvoll → Fotos, die man trotzdem nicht löschen will → Sicherheitsbedürfnis, Lebensspuren, sich Optionen offenlassen, die Fotos irgendwann brauchen zu können. → Zu viele Optionen sind belastend. Klammern an den Fotos: sich selbst überlasten → abhängig machen, alles der Technik überlassen → Verlust des Vertrauens in die eigene Intuition (Erinnerung) → Prestige. → Angst, den Moment zu vergessen. → Bücherregal mit ungelesenen Büchern → Bücher mit leeren Seiten. / Festivals → alle filmen das Konzert. Man lebt nicht im Moment.
Idee für Vortrag zur Interpassivität: Ein Video zeigen, das total verrauscht, verwackelt ist und eigentlich nur das ‚versäumte‘ Erlebnis dokumentiert.
(Mitschrift: Teilnehmerin 3)
In der anschließenden Besprechung wurde mehrfach betont, dass vor allem bildliche Assoziationen (z. B. „Bücher mit leeren Seiten“) sich gut einprägen.
Experiment 3: Ein Moment schwebender Aufmerksamkeit
Ziel dieses Experimentes war es, beim Thema Aufmerksamkeitsökonomie auch die Erfahrungsebene ins Spiel zu bringen. Unser Test-Text argumentiert im Sinne unseres Übungstextes und bindet als inszenatorisches Mittel eine minimale Intervention ein:
„Aufmerksamkeit ist längst zur Ware geworden. Alles wird ökonomisiert, d. h. kapitalisiert. Wie steht es um Ihre Aufmerksamkeitsökonomie, meine Damen und Herren, jetzt, wenn Sie mir zuhören? Vielleicht brauchen Sie eine Pause? Wofür nutzen Sie die? Um die Infos auf Ihrem Smartphone zu checken? Ich möchte eine Pause, die unsere gemeinsame Konzentration und Wahrnehmung fördert, nur kurz. Ich bitte um einen Moment Ruhe.“ (Ein paar Sekunden Stille, dann Duktuswechsel, weiter mit ruhigere Stimmführung.) „Versuchen wir uns daran zu erinnern, wann wir das letzte Mal im Zustand schwebender Aufmerksamkeit waren, also einer Aufmerksamkeit, die nicht zielgerichtet war, aber durch ein hohes Maß an sensorischer, mentaler und emotionaler Wachsamkeit geprägt war? (Stille.) „Danke. Ich komme zurück zum Thema Aufmerksamkeitsökonomie.“ Usw.
Wir analysieren den Vorgang
- Der Text ist emotional geschrieben und wurde dementsprechend energisch vorgetragen. Die Aufforderung zu Stille und schwebender Aufmerksamkeit stand in markantem Gegensatz dazu. Der Wechsel zur Erfahrungsebene wurde somit durch einen deutlichen Bruch in der gesamten Dynamik unterstützt.
- Das Publikum wurde zur aktiven inhaltlichen, imaginativen und emotionalen Rezeption animiert. Im Übungsraum wurde die Stille intensiv wahrgenommen.
- Der Terminus schwebende Aufmerksamkeit war zwar noch nicht klar definiert, blieb aber in Erinnerung.
- Hier wurde nur mit der Performanz gearbeitet.
Experiment 4: Bildinformation
Teilnehmerin 4 nutzte später als Einstieg in ihren Beitrag zum Thema Aufmerksamkeitsökonomie ein ‚Wimmelbild‘, also ein Bild, das zu viel Information zeigt. Als Publikum erfuhren wir zunächst nicht worum es geht, wir wurden gebeten das Bild anzuschauen, nach ca. 30 Sekunden fragte sie nach Lappalien um zu überprüfen, wer sich woran erinnert.

Wir analysieren den Vorgang
- Im Nachgespräch stellte sich heraus, dass die ersten schon nach wenigen Sekunden mit der Aufmerksamkeit abgeschweift waren. Was theoretisch alle wussten, wurde nochmal erlebbar: Unsere Aufmerksamkeitskapazität ist begrenzt.
- Dem Thema Aufmerksamkeitsökonomie wurde ein Bildzitat vorangestellt.
Experiment 5: Räumliche Veränderung
Das folgende Experiment wurde im kleinen Übungsraum nur angedeutet und gedanklich durchgespielt: Eine Rednerin beginnt im Saal. Ihr Statement aus unserem Beispieltext ist eine Provokation. „Der entscheidende Faktor unserer Zeit ist, dass wir insgesamt viel wissen, aber sehr wenig vermögen. Wir sind aufgeklärt und zugleich Analphabeten.“ Die Rednerin geht raus und lässt die ZuhörerInnen einen Moment allein. Dann kommt sie auf die Bühne, begrüßt freundlich ihr Publikum und erläutert sachlich die Probleme aktueller Wissenskultur.
Wir reflektieren den Vorgang
- So eine Aktion setzt voraus, dass der Zeitrahmen bekannt ist. Z. B. Vortragsdauer 45 Minuten, sonst funktioniert diese Unterbrechung nicht.
- Indem die Rednerin die ZuhörerInnen mit einer Provokation kurz allein lässt, wird auch hier an aktive Rezeption appelliert.
- Was bei diesem markanten Beispiel deutlich wurde, gilt auch bei weniger extremen Ortswechseln: Jeder Platzwechsel verändert Optik, Akustik und räumliche Orientierung und damit Wahrnehmung und Aufmerksamkeit. Sobald Sie sich auf der Bühne bewegen, bewegen sich zumindest auch die Augen und ein bisschen die Köpfe der ZuhörerInnen. (Unangenehm wird es, wenn Sie sich zu viel bewegen.)
„Körperposition ändern heißt, den Standpunkt ändern. Nutzen Sie den zur Verfügung stehenden Raum, den materiellen und den geistigen.“
Samy Molcho
Überblick über weitere Experimente
In ähnlicher Weise untersuchten wir den Umgang mit Zahlen: Mengenangaben und Größenordnungen helfen der Veranschaulichung von Information: Z. B. „In WhatsApp pro Tag 100 Milliarden Nachrichten, durchschnittlich rund 50 pro aktivem Nutzer.“ Wir überlegten, was ein parallel gezeigtes Zahlenbild vermitteln könnte: (1) Die Zahlen als nüchterne Fakten auch visuell abbilden. (2) Durch blinkende Animation der Zahlen ließe sich eine alarmierende Wirkung erzeugen. (3) Mit einer extrem schnellen Animation, die den Augen fast weh tut, könnte Überforderung auf einer Metaebene thematisiert werden. In der Diskussion über Medien und ihre Wirkung besprachen wir auch die Konsequenzen: Wer Bildprojektion verwendet, muss sich darüber klar sein, dass diese alle Blicke in dieselbe Richtung lenkt, während Soundeinspielung auch unterschiedliche Blickrichtungen – etwa in einem Sesselkreis-Setting – zulässt. Video bindet uns an die Zweidimensionalität, während ein Objekt dreidimensional ist und Perspektivwechsel gut veranschaulichen kann: „Ich habe ihnen ein Modell mitgebracht: Was sehen Sie? Jetzt drehe ich es, was sehen Sie? Was wissen Sie aus dieser Perspektive und was wissen Sie aus dieser ganz anderen Perspektive über den Gegenstand?“ Usw.
„Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.“
Antoine de Saint-Exupery (Teilnehmerin 3 brachte das Zitat mit.)
Wir beschäftigten uns mit verschiedenen Rahmenbedingungen, denn jedes Format hat seine ungeschriebenen Regeln: Vortrag, Diskussion, politische Aktion. Es gibt aber auch Verschiebungen: Ein klassisch strukturierter Vortrag wird im kleinen Sitzkreis gehalten, während ein interaktives Konzept auf großer Frontalbühne stattfindet. Wir erörterten die persönliche Entwicklung und die Frage nach der Rolle, denn bei jedem Wortbeitrag müssen wir unsere Rolle definieren: VermittlerIn? Betroffener? Anwältin einer Sache? Politische AktivistIn? Die Erfahrungen von zwei fortgeschrittenen TeilnehmerInnen waren hier besonders interessant: Teilnehmerin 5 wählte bei Übungen spontan stets die Rolle der Moderatorin, das konnte sie gut, das war ihre Komfortzone. Sie lernte dann, sich persönlicher zu zeigen und als Betroffene zu berichten. Teilnehmer 6 erzeugte durch Überprofessionalität Distanz zum Publikum und entdeckte dann, wie er in einen besseren Kontakt zum Publikum kommen kann.5
Erstes Resümee
- Der Erfahrungsraum, in dem Sachinformation aufgenommen und verarbeitet werden kann, muss kreiert und gestaltet werden.
- Oft ist uns nicht bewusst, dass wir uns an Spielregeln halten, weil sie Teil unserer Kultur sind. Es lohnt zu fragen, inwieweit wir konventionelle Erwartungshaltungen und Vorgaben bedienen und welche Spielräume wir darüber hinaus nutzen können, ohne dass gleich die Palastrevolution ausgerufen wird.
- Immer wieder ist zu fragen: Was ist angemessen?
Zweiter Teil: Geheimnisse der Performanz
Eine kritische Beobachtung
Im Abschlussbericht schildert eine Teilnehmerin selbstkritisch: „[Die Übungen zur] Performanz haben mich etwas von meinem hohen Ross geholt. Ich war immer der Meinung, dass meine rhetorischen Fähigkeiten außerordentlich sind. Ich denke, so ging es vielen. Eine Gruppe von jungen Leuten, denen Referate vor der Klasse immer leichtgefallen sind. Studierende, die daran gewöhnt sind zu hören, wie großartig sie präsentieren können. […] Als ich vor meinem Spiegel meinen Text durchgesprochen hatte, dachte ich, dass die Inszenierung schlicht und einfach die Einbeziehung des Publikums durch mein kleines Experiment (das Schreiben der Postkarten) wäre und dass der Rest eine Präsentation sein würde. Was eine Inszenierung wirklich bedeutet, würde ich kurz darauf lernen.“
Das Wichtigste vor aller Technik …
Vor allen Übungen zu Körper- und Blickverhalten, Sprechduktus und Sprechmelodien, Tempo und Zäsuren, Artikulation und Lautbildung, also vor allem performativen Handwerk, gilt es ein Gespür für die natürliche Rückkoppelung zwischen innerer Disposition und körperlichem Ausdruck zu entwickeln. Innen sind unsere Stimmungen, Bilder, Beweggründe, Emotionen, Impulse, Affekte. Außen wird all das sichtbar in Körperhaltung und Bewegungsstil, im Gesichtsausdruck, im Sprechduktus und in der Stimmführung. Ein reger Response zwischen diesen Bereichen ist Grundvoraussetzung für das eingangs erwähnte lebendige Agieren innerhalb unserer Redekonzepte. Wir sprechen auch von der guten Anbindung: Körper und Psyche sind in permanenter Wechselwirkung aneinander angebunden. Besonders unter Stress kann dieser blitzschnelle Austausch von Botschaften uns übel mitspielen: Die Nervosität steigt zu Kopf, wir steuern reflexhaft gegen, kompensieren mit leichter Verkrampfung, die legt sich auf die Stimme und die reagiert mit Zittern. Derselbe wechselbezügliche Mechanismus kann aber auch zu unserem verlässlichsten Werkzeug werden, wenn wir ihn für uns arbeiten lassen. Dazu folgendes Beispiel:
Die wiederhergestellte Lebendigkeit
Der recht erfahrene Teilnehmer 6 begann seinen gut durchdachten Vortrag über Schwarmintelligenz. Als Beobachterin schrieb Teilnehmerin 7 darüber: „[Es war für mich] eine tiefsitzende Erfahrung: Mein Kommilitone sprach den ersten Teil seiner Präsentation und ich dachte, das war perfekt, keine Einwände. Doch Frau Galonska hat das etwas anders gesehen und intervenierte. Er hat sich nach Anweisungen um den Tisch bewegt, sich daran gelehnt und leicht auf die Tischkante gesetzt und denselben Text nochmal gesprochen. Es war eine minimale Veränderung, aber für mich eine absolut neue Präsentation voller Leben.“ (Teilnehmerin 7)
Intermezzo: Kleine Übung zur Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche
Was war geschehen? Teilnehmer 6 hatte eloquent vorgetragen, aber er hatte den Kontakt zu sich ignoriert und alles wirkte etwas mechanisch. In Folge dessen war er auch in keinem guten Kontakt mit dem Publikum. Durch den ruhigen Gang um den Tisch und das Abstützen des Körpers auf der Tischkante wurde der innere Tonus entspannter, ohne schlaff zu werden. Teilnehmer 6 wurde aufgefordert die kleinen Impulse, die in dieser Körperhaltung wahrnehmbar waren aufzugreifen und sich von seiner eigenen Stimme überraschen zu lassen, die nun viel differenzierter und freier die Sachverhalte erläuterte. Er selbst schrieb dazu später: „Im Vergleich zum ersten Vortrag war nun der Fokus auf der Nähe zum Publikum […] der beim ersten Auftritt so nicht gegeben war.“
Alle konnten (und können) das an einer einfachen Übung ausprobieren: Man geht in eine gezielte Anspannung z. B. im Nackenbereich, spricht zwei Beispielsätze, hört sich selbst zu, achtet auf den Stimmklang und registriert, wie viel Aufmerksamkeit noch für das Gegenüber da ist. Man löst die Verkrampfung, achtet auf den veränderten gesamten inneren Tonus (d. h. man registriert den spontanen Response, mit dem die Gesamtstimmung auf die physische Lockerung antwortet) und überprüft dann die eigene Stimme mit denselben Sätzen und achtet wieder darauf, wie offen man für das Gegenüber ist.
Imperative mit begrenzter Wirkung
Wir haben es hier mit dem sogenannten psycho-physischen System zu tun. Dieses hat seine eigenen Gesetzmäßigkeiten und eine der wichtigsten lautet: Die Psyche mag keine Imperative. „Sei nicht so nervös! Sei doch einfach souveräner. Ärger dich doch nicht über den Vorredner.“ Das nützt alles herzlich wenig, oft verstärken solche Ansagen oder Vorsätze nur den inneren Druck. „Jetzt habe ich alles geübt, Yoga gemacht und bin trotzdem so nervös, dass man es mir ansieht und ich vor Aufregung alles vergesse.“ Befehle von außen nimmt der psychische Apparat dann erst recht nicht mehr an: „Jetzt sprechen Sie doch langsamer!“
Das klappt höchstens für ein zwei Sätze, wird wahrscheinlich mit irgendeiner Anspannung der Sprechwerkzeuge kompensiert, die wiederum so unangenehm ist, dass man schnell in das gewohnte Tempo zurückfällt. Also aussichtslos? Nein. Wir können Affekte und Emotionen beeinflussen, aber oft nur indirekt, indem wir z. B. durch die Physis auf die Psyche einwirken. Simple Handlungsanweisungen nimmt das System nämlich meist gut an: „Gehen Sie ruhig und elegant zum Podium.“ Das klappt fast immer und siehe da, die Psyche passt sich prompt dem Körper an und schickt nun ihrerseits entsprechende Signale. Das ist der Trick. Wenn Sie mit ruhigen Handbewegungen ihr Manuskript hinlegen, gibt der Körper der Psyche die Botschaft: „Hier geht es ruhig zu“, die Psyche spielt gern mit, sofern wir (wieder) gelernt haben, die Spontanreaktion nicht zu blockieren. Nach einiger Übung kann das bald jede und jeder an sich und anderen beobachten, denn es handelt sich um die Reaktivierung einer natürlichen Anlage.
Ein anderes effizientes Steuerungswerkzeug sind intentionale Vorstellungen. „Stell dir vor, du möchtest Ruhe in die Sache bringen.“ Intuitiv wird die Stimme langsamer und ruhiger. Auf diese Weise wird zu rasches Sprechen meist wirksamer adressiert, als durch den direkten Apell. Für ein ausführlicheres Eingehen auf die weiter oben aufgezählten Teilbereiche der Performanz und detaillierte Übungsbeschreibungen zu Körper- und Stimmübungen, Satzmelodien und Intentionalität, Timing und Blickverhalten etc. ist hier nicht der Rahmen. Ein Experiment zu einem wertvollen performativen Mittel sei aber noch vorgestellt.
Experiment 6: Duktuswechsel
Wir greifen noch einmal auf unseren Übungstext zurück. Dort ist zu lesen, dass unsere übersättigte Aufmerksamkeit erhebliche psychologische und politische Folgen hat. Psychologisch – so die Autorin – führt überforderte Aufmerksamkeit zu Pathologien: Innere Unruhe, Depression, Orientierungslosigkeit. In politischer Hinsicht verursacht sie Hilflosigkeit und Abhängigkeit.6 Im Vortrag versuchen wir Folgendes: Zu Beginn wird zügig und sachlich gesprochen: „Übersättigte Aufmerksamkeit hat erhebliche psychologische und politische Folgen.“
Kurze Zäsur und dann Duktuswechsel, die Sprecherin zählt die Begriffe nun ganz ruhig auf. Ihre Blicke bleiben in den kleinen Pausen ruhig, ohne zu fokussieren: „Innere Unruhe. Pause. Orientierungslosigkeit. Pause. Depression. Pause. Hilflosigkeit. Pause. Abhängigkeit.“ Usw.
Wir analysieren den Vorgang
- Wir konnten beobachten, dass sich die Wirkung der Worte gleichsam vergrößerte und innere Bilder in den Köpfen der ZuhörerInnen entstehen konnten.
- Die ruhige Aufzählung mit Pausen erzeugt ein Innehalten und bezeugt damit Respekt vor den Betroffenen. Der Vorgang ermöglicht empathisches Erleben.
Erfahrungen der Studierenden zur Performanz
Die Pause: „Mein Coaching drehte sich ganz und gar um die Pause. In meinem Kopf war es zwar schon tief verankert, dass Pausen wichtig und gut sind, aber während der Rede verließ mich doch meistens der Mut diese Pause wirklich bis zur Gänze auszuhalten. Also blieb mir nichts anderes übrig, als diese lange Pause (zumindest kam sie mir jedes Mal so vor) auszuprobieren. Und wie Frau Galonska prophezeite, fühlte sich diese Pause nicht nur richtig gut an, sondern brachte auch noch mehr Schwung in die nächste Passage. Was ich also von dieser Session mitnahm, ist: Mut zur Pause.“ (Teilnehmerin 5)
Ohne Hierarchie zum individuellen Stil: „Mir fällt es schwer, mich zu verstellen, und vielleicht habe ich gerade das viel zu lange probiert. Der Hinweis, den Vortrag als eine Art persönliche Interaktion wahrzunehmen, hat mir extrem geholfen meinen eigenen Vortragsstil zu finden. Nach dem Kurs habe ich diese Taktik bereits bei anderen Vorträgen ausprobiert und es scheint, als wäre es für alle Beteiligten am angenehmsten, wenn man Distanzen abbaut. Als vortragende Person muss man nicht autoritär sein und wirkt nicht unprofessionell, wenn man eine Hierarchie zum Publikum weiter abbaut. […] Während anfangs alle in einem recht ähnlichen Stil vorgetragen haben, waren am Ende viele Einzelwerke zu beobachten, die alle durch ihre Individualität und ihren Charakter ausgezeichnet waren. Somit bewerte ich die LV als nicht nur für die Rhetorik wertvolle Erfahrung, sondern vor allem für mein Hauptstudium Kommunikationswissenschaft als eine sehr sinnvolle Ergänzung.“ (Teilnehmer 8)
Körpersprache und Positionswechsel: „Wir haben uns auch immer wieder mit der Körpersprache beschäftigt. Ich habe dabei bemerkt, dass die Körpersprache nicht nur dabei hilft, Inhalte gut an die Personen gegenüber zu übermitteln, sondern auch dabei, selbst mehr zu fühlen beziehungsweise zu verstehen was man sagt. Durch den Tipp mit dem Positionswechsel hatte ich das Gefühl, als würde der Vortrag mehr Schwung haben. Auch beim Zusehen von den anderen Reden ist mir aufgefallen, dass man als Zuhörer wieder aufmerksamer wird, wenn sich der Vortragende bewegt.“ (Teilnehmerin 7)
Stellhebel: „Das Bewusstsein, dass es Stellhebel gibt, an denen man drehen kann, um eine Rede spannender und ziel(gruppen-)orientiert zu gestalten, und wie diese aussehen, ist sehr nützlich, und ich hoffe diese in Zukunft vermehrt einsetzen zu können. Ich möchte mich für dieses Werkzeug bedanken – es war wieder ein wirklich gelungener, lehrreicher und toller Kurs. DANKE!“ (Teilnehmerin 9)
Zweites Resümee
- Das gute Zusammenspiel zwischen Körper und Innenleben bitte pflegen! Es stärkt die Präsenz, das natürliche Verhalten, Glaubwürdigkeit und Authentizität, Konzentration und Reaktionsvermögen und ist überdies energieschonend: Wir müssen uns nicht pausenlos unnötig verausgaben.
- Denken Sie daran: Der Kontakt zum Publikum beginnt beim Kontakt zu mir selbst.
Dritter Teil: Vielfalt der Möglichkeiten
Nach fünf mehrstündigen Sessions in Gruppenarbeit und Einzelcoachings zeigten die Studierenden ihre Reden. Wir hatten uns auf eine Dauer von maximal 15 Minuten geeinigt. Einige sprachen frontal, andere mit freier Raumbestuhlung oder im Sitzkreis. Die einen arbeiteten mit Interventionen, andere konzentrierten sich ausschließlich auf die Performanz. Zwischen gekonnter Karikatur und berührender Interaktion hatte sich ein breites Spektrum an Entwürfen entwickelt. Etwa beim Thema Schwarmintelligenz wurden die ZuschauerInnen in ein Experiment mit Mengenschätzungen eingebunden, das in verblüffender Weise demonstrierte, wie die Intelligenz einer Gruppe funktioniert. Beim Thema Blind durch die Welt laufen änderten sich auch für das Publikum die Positionen im Raum, bei einem Beitrag zur Subjektiven Wahrnehmung wurden Postkarten geschrieben und ausgetauscht, als es um Zeiterfahrung ging, sprach jede(r) eine Minute mit dem Sitznachbar. Manche spielten Sounds ein oder nutzten Bildprojektion. Besonders interessant war, dass in zwei Beiträgen die Überzeichnung als performatives Mittel gewählt wurde: Teilnehmerin 10 begann ihren Beitrag zur Aufmerksamkeitsspanne mit einem perfekt artikulierten, aber ohne Punkt und Komma durchgesprochenen Fachtext voller Fremdwörter. Es folgten exakt 12 Sekunden Schweigen (nachgewiesene Aufmerksamkeitsspanne), erst danach begannen die Erläuterungen in angemessener Redeweise. Ein Teilnehmer zeigte die gelungene Karikatur eines Vortrags zur Bildungsreform: Im Duktus steif und überkorrekt trug er ehrwürdig gute Ansätze vor, alles mit sorgsam ausgewählten Folien überfrachtet, die viel zu schnell eingeblendet wurden, so dass dieses tiefsinnige Rauschen die Zuhörenden in einen Zustand zwischen Lachen und schierer Verzweiflung trieb. Es war gekonnt gespielt. Dann erklärte er, jetzt in souveränem Ton, dass diese Überzeichnung dem, wie es tatsächlich auf wohlgemeinten Konferenzen zur Bildungsreform zuweilen zugehe, durchaus nahe komme um dann mit einem überzeugenden und bewegenden Appell an wirksame Reformen zu schließen.
Eine sehr gelungene Präsentation, die eine Vielfalt der behandelten Elemente wirksam einsetzte und intelligent kombinierte, soll hier beispielhaft und abschließend ausführlich vorgestellt und besprochen werden.
Präsentationskonzept: Teilnehmerin 9
Titel: Sind Mittäter die wahren Täter?
Thema: Mobbing in Schulen
Format: Plädoyer / Appell
Setting: Sesselkreis mit zentralem Aktionsort in der Mitte. Am Rand: Flipp Chart.
Medien: Zu Beginn wird ein Foto auf weiße Wand/Leinwand projiziert. Sound: Ein Weinen ist hörbar.

Rede und Szenario
Die Vortragende sitzt zu Beginn mit den ZuhörerInnen im Sesselkreis. Sie lässt das Bild wirken, spricht nicht gleich los, sondern wartet, bis sich ein Moment der Ruhe im Raum eingestellt hat. Der Sound wird ausgeschaltet. Sie beginnt in zurückhaltendem Ton, begrüßt die Runde, sagt ein zwei Sätze zu ihrem Thema: „Mobbing“.
Sie steht unvermittelt auf, begibt sich in die Mitte des Kreises, kauert sich hin und jede(r) sieht, sie imitiert die Körperhaltung des Mädchens auf dem Bild. Dann geht sie auch stimmlich auf die Ebene der Identifikation und spricht einige Sätze des Opfers: „Ich will nicht mehr … Ich kann nicht mehr … Ich halte das nicht mehr aus … Wieso sind alle so grausam zu mir? Wieso ich? Ich habe ihnen nichts getan! Alle hassen mich … Ich kann nicht mehr!“ (Redestil: Traurig, verstört, verängstigt). Sie bricht ab, geht zurück zu ihrem Platz im Sesselkreis und berichtet von ihrer alten Schulkollegin Leila. Sie erzählt wie diese wegen Mobbing von der Schule flüchtete, voller Hoffnung die Schule wechselte, nur um zu erleben, dass sich nach kurzer Besserung alles wiederholte. Dann liest sie erschütternde Details aus den Berichten von Mobbingopfern in Schulen vor: „Ständig bewerfen sie mich mit Gegenständen, neulich haben sie meine komplette Schultasche ausgeräumt, Sachen weggenommen und meine Damenhygieneartikel durch die Klasse geworfen. Vier Mädchen und noch ein paar Jungs haben immer und immer geschrien: ‚Leila, du bist sooo grausig!’“ Bei dieser ganzen Passage bleibt die Stimmführung ruhig, man spürt mitfühlende Betroffenheit. Die Vortragende erklärt, dass Selbstmordgedanken und Scham oft die Folge des Mobbings sind.
Klarer Duktuswechsel. Die Vortragende nimmt jetzt die Rolle einer Rednerin ein, die sich mit Betroffenen solidarisiert und entschieden dagegen auftritt. Sie wendet sich an das Publikum: „Sicherlich kennt ihr auch jemanden, dem es so oder so ähnlich ergangen ist wie Leila. Aber welche Rolle hattet ihr dabei?“ [Pause] Sie kommt zum sachlichen Teil, ändert wieder die Position im Raum, geht zum Flipp Chart und gibt einen kurzen Überblick über das Thema Mittäterschaft, die verschiedenen Ausprägungen und das Beispiel Mobbing. Sie konfrontiert das Publikum mit erschütternden Zahlen, Statistiken und Analysen aus Österreichs Schulen. Sie erspart dem Publikum nicht die Frage: „Stellt euch vor, es gibt einen Täter. Jemand, der euch anstiften möchte, mir oder Leila, Leid anzutun. Was würdet ihr nun machen? Wie würdet ihr euch verhalten?“
Es folgt eine Definition: „Mittäterin/Mittäter ist, wer eine andere Person zu einer Tat anstiftet (Bestimmungstäterin/Bestimmungstäter) oder zur Ausführung einer Tat beiträgt (Beitragstäterin/Beitragstäter). Mittäterinnen/Mittäter werden nach ihrer jeweiligen Schuld bestraft.“7
Dann eine Erläuterung: „Anhand dieser Definition sieht man, dass auch Mittäterschaft nicht harmlos bzw. schuldfrei ist. Mittäter nähren die Täter. Sie geben ihnen Macht und Stärke, indem sie sie unterstützen und mit ihnen mitziehen. Sicherlich kann auch ein einzelner jemanden mobben, aber das ist für das Mobbing-Opfer nicht so schlimm, wie wenn es eine ganze Klasse ist.“ Die Rednerin schließt mit einem engagierten Appell: „Es kann sehr einfach sein, NEIN zu sagen, sich entgegenzustellen. Und doch tun wir es viel zu selten. Kommt, habt Mut! Kommt, lasst uns die Welt ein kleines Stückchen besser machen. Kommt, lasst uns nicht zu Mittätern werden!“
Wir analysieren den Beitrag
Es wird ein Bild mit starker emotionaler Wirkung verwendet: Weinendes Mädchen. Hier wird visuell eine Grundstimmung erzeugt, zu der sich die Referentin im Laufe des Beitrags unterschiedlich verhält. Das Ganze ist anfangs noch verstärkt durch Sound.
Die Rednerin stellt als erstes Kontakt zum Publikum her. Dann riskiert sie ein sehr starkes und mutiges Mittel: Sie begibt sich körperlich auf die Ebene der Identifikation mit dem Opfer. Das erzeugt Spannung, ggf. sogar leichtes Unbehagen, denn hier verlässt jemand den rein referierenden Rahmen. Durch die ruhige Art, in der sie das tut, signalisiert sie aber, dass hier jemand bewusst und überlegt agiert. Diese Aktion fungiert als ein ergreifendes Zitat, das verbal, physisch und emotional vorgeführt wird. Die Referentin selbst merkt an, dass durch die exzeptionelle Position in der Mitte auch eine Analogie zum Thema Mobbing hergestellt werden sollte: „Ich bin nicht in euerer Runde, ich bin anders.“ Die Mitte hat hier also einerseits die Funktion des Sichtbarmachens (Ebene der Rezeption), andererseits die des Opfers, das sich vor allen Augen ausgesetzt fühlt (Ebene der Identifikation). Nach dieser gekonnt und gut dosiert vorgeführten Aktion, nimmt die Rednerin wieder die Rolle der Referierenden ein. Das ist entscheidend, da es weder um ein Outing noch um ein Vorführen von Opfern geht. Als Referentin beherrscht sie die Klaviatur zwischen ruhiger Sachlichkeit und Apell.
Drittes Resümee
- Ein Wechsel der Rezeptionsebenen lässt sich allein durch die actio, h. durch körpersprachliches Verhalten erzielen. Voraussetzung ist, dass der/die RednerIn sich ansatzweise selbst auf eine Erfahrungsebene begibt. (Das gilt auch beim rein verbalen Vortrag.)
- Der Wechsel der Rezeptionsebenen lässt sich situativ herbeiführen, durch Einbindung von Experimenten, Momenten der Stille, etc.
- Wir können nonverbale Medien einbeziehen, die per se auf eine andere Rezeptionsebene ausgerichtet sind: Bild, Bewegtbild, Sound, Musik, Licht, Objekte.
Ausblick: Sicher in der Unsicherheit
Wie ist das nun mit dem Zufall? Es geht um eine Gewichtung zwischen Vorgabe und Prozess. Auch die peinlich durchgetaktete Inszenierung unterliegt noch den Zufällen der Realisierung, die man gern Störfaktoren nennt. Radikal von der Performanztheorie hergedacht gibt es keine Störfaktoren, weil das Zufällige integriert wird. Und sei es nur die kleine Zäsur, in der ein Blick, ein Atemgeräusch, eine innere Bewegung sich einmischen darf und ein Ton persönlicher wird, weil wir das so wollen und erlauben. Anders gesagt: Konzeptionell schaffen wir Strukturen für einen Prozess im Sinne der gewünschten Rede, die wir als ein unabgeschlossenes Produkt verstehen. Versuchen Sie Ihre Eindrücke und Erfahrungen in diesem Sinne weiter wirksam werden zu lassen.
Literatur
Galonska, Tomma: Artikulation als ein »geistig-phonetisches Geschehen«. In: Kranich, Wieland (Hg.) Sprechwissenschaft heute. Sprache und Sprechen, Bd. 52. Bielefeld, 2020. (Schneider bei wbv).
Garcés, Marina: Neue radikale Aufklärung. Wien, 2019. (Turia + Kant).
Krämer, Sybille: Sprache – Stimme – Schrift: Sieben Gedanken über Performativität als Materialität. In: Wirth, Uwe (Hg.): Performanz. Zwischen Sprachphilosophie und Kulturwissenschaften. Frankfurt, 2002. (Suhrkamp).
Molcho, Samy: Körpersprache als Dialog. München 1988. (Mosaik Verlag).
Bildnachweise
Caro Wedekind. Painting („Wimmelbild“) about the 31st Chaos Communication Congress in Hamburg. Abgerufen von Tomma Galonska, 03. 12. 2024. In Absprache mit Teilnehmerin 4 wurde das Bild ausgewechselt, da das im Kurs verwendete nicht lizenzfrei ist.
Weinendes Mädchen. Getty Images. Lizenzfrei. Abgerufen von Teilnehmerin 9, 23. 03. 2023.
- Die hier und im Weiteren zitierten Beiträge der Studierenden stammen aus kursinternen Übungen im Rahmen der Lehrveranstaltung Die Rede als Inszenierung. Universität Salzburg, Klassische Rhetorik. SoSe 2023. Kleinere Korrekturen wurden stillschweigend vorgenommen. Die Namen sind der Autorin bekannt, wurden aber redaktionell anonymisiert. ↩︎
- Wissenschaftliche Beiträge zum Thema Inszenierung der Rede finden sich auf RhetOn. U. a. hier: https://rheton.at/rheton/category/rhetorikgespraeche/rhetorikgespraeche-2016/ ↩︎
- Garcés (2019) 79–88. ↩︎
- Ebd. ↩︎
- Vgl. dazu das Kap. Die wiederhergestellte Lebendigkeit. ↩︎
- Garcés (2019) 79–88. ↩︎
- Quelle: oesterreich.gv.at-Redaktion (28. April 2022). ↩︎
